//Papier erfährt eine Wertschätzung durch ein „besonderes“ Recycling-Verfahren: Papiermüll, auf dem Weg liegend, achtlos weggeworfen, wurde täglich eingesammelt und zu handgeschöpftem Papier neu verarbeitet, wobei die täglichen Fundstücke zu jeweils einem Tages-Blatt geformt wurden, somit über die Monate gleichsam tagebuchartig sowohl das Material als auch den künstlerischen Prozess dokumentieren.

Die vormals einzelnen Stücke sind nach ihrer Auflösung, Vermischung, Neu-Zusammenfügung zwar nicht mehr als einzelnes erkennbar, der Sinn nicht mehr zuordenbar, und doch ist es kein anonymer Papierbrei, denn in jedem Blatt ist die jeweils spezifische „Tagesinformation“, das Amalgamat enthalten. Jedes Blatt ist anders, bedingt durch die unterschiedlichen Bestandteile, Farbpigmente etc.//

 

//Kaum ein anderes Kulturprodukt hat einen vergleichbaren inflationären Werteverfall hinter sich wie Papier. Die Arbeit, die -selbst im industriell gefertigten Papier -steckt,  wird nicht wahrgenommen. Der „Rohstoff Papier“ gilt nur in der Masse, wird massen-haft hergestellt, das Vorhandensein von Papier gilt als selbstverständlich. Papier dient in den Arbeiten von Ute Ewe nicht als Trägermaterial für andere Arbeiten. Papier nicht als „Hintergrundmaterial“, sondern: IST ES SCHON. TRANS-FORM-IERT.

Hochwertiges Papier wird zeitintensiv und mit Körpereinsatz bearbeitet. Das Papier behält seine „äußere“ Grund-Form  und verändert sich doch „in sich“.

Das Material darf zeigen was in ihm steckt. Es wird aus einer glatten Dimensionalität herausgehoben, gedrückt, aufgeraut angeschnitten, gefräst, neu bemustert. Es wird „erhaben“ und bekommt mehr Volumen. Manchmal fast einen anderen Aggregatzustand. Luftig durchscheinend, zerbrechlich anmutend. Ätherisch wirkend, fluffig, flockenartig. Daraus entsteht viel Raum für Assoziationen.//

 

Kian Riegler 2014

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© Jan-Peter Ewe